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Leica Oskar Barnack Award 2023

Shortlist steht fest: Alle Serien ab 13.10. im ELM

Ismail Ferdous und Ziyi Le: Die beiden diesjährigen Gewinner des international renommierten Fotowettbewerbs Leica Oskar Barnack Award (LOBA) sind bestimmt. Der LOBA wird 2023 bereits zum 43. Mal verliehen. In der Hauptkategorie überzeugte der in Bangladesch geborene und in den USA lebende Fotograf Ismail Ferdous die fünfköpfige Jury mit seiner Serie „Sea Beach“. Vorgeschlagen wurde seine Serie von Dimitri Beck und James Wellford, die zur diesjährigen Gruppe von 60 internationalen LOBA-Nominatoren gehören. In der Kategorie „Leica Oskar Barnack Award Newcomer“ (für Nachwuchsfotografen bis zu einem Alter von 30 Jahren) setzte sich der chinesische Fotograf Ziyi Le mit seiner Serie „New Comer“ durch. Seine Serie wurde von der Fudan University School of Journalism in Shanghai eingereicht.

Ismail Ferdous: Sea Beach | Leica Oskar Barnack Award Gewinner 2023

An der Südspitze Bangladeschs liegt Cox’s Bazar. Der beliebte Anlaufpunkt für viele Bewohnerinnen und Bewohner des Landes erstreckt sich entlang des Golfs von Bengalen und gilt als kultureller Schmelztiegel, denn dort suchen Menschen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten für einen Moment Entspannung und Erholung. Der in New York lebende Fotograf stammt selbst aus Bangladesch und kehrte an diesen einzigartigen Ort zurück, um die Strandgäste und die besondere Stimmung in leuchtenden Farben einzufangen.

Ismail Ferdous: „Der Strand von Cox’s Bazar ist ein begehrter Zufluchtsort in der Natur für ein überbevölkertes Land. Er ist ein Ort, an dem sich jede Gesellschaftsschicht einen Urlaub leisten kann. Es herrscht ein bemerkenswerter Mangel an Eile, als ob die Zeit selbst dafür plädiert hätte, die Lasten aller am Strand abzutragen.

Die LOBA-Auszeichnung hat mir nicht nur große Freude bereitet, sondern dieses Jahr auch zu etwas ganz Besonderem gemacht. Dieser Triumph ist ein Beweis für den unerschütterlichen Willen und die leidenschaftliche Hingabe, die ich meinem Metier gewidmet habe.“

Ismail Ferdous ist 1989 in Bangladesch geboren und lebt heute zwischen New York City und Bangladesch. Er ist Mitglied der Agence VU’ in Paris und engagiert sich für soziale, kulturelle und humanitäre Themen. Mit der Fotografie begann er bereits während seines Studiums an der Business School in Dhaka. Nach dem Einsturz der Bekleidungsfabrik Rana Plaza in Dhaka im Jahr 2013, einer der schlimmsten Industriekatastrophen in der Geschichte Bangladeschs, bei der mehr als 1100 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kamen, setzte Ferdous mit seinen Dokumentarfilm- und Fotoprojekten „The Cost of Fashion“ und „After Rana Plaza“ ein Zeichen gegen die verheerenden Auswirkungen der „Fast Fashion“-Industrie. Das Thema Migration und Flucht hat er auf vier Kontinenten fotografisch begleitet. Ferdous arbeitet für die wichtigsten internationalen Zeitungen und Magazine, seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet.

Ziyi Le: New Comer | Leica Oskar Barnack Award Newcomer Gewinner 2023

Der chinesische Fotograf startete sein Projekt über Weibo, ein Twitter-ähnliches Portal für Kurznachrichten in China, über das er Interessierte für die sensible Porträtserie fand. Für ihn sind die inszenierten Fotoshootings auch eine Reflexion über seine eigenen Selbstzweifel und das Gefühl von Entfremdung und geistiger Leere. Entstanden ist ein berührendes Porträt der „New Comer“, einer Generation auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft, nach persönlicher Weiterentwicklung.

Ziyi Le: „Während meines gesamten Heranwachsens kommunizierte ich wenig, war lange Zeit entfremdet, was mir das Gefühl gab, mitten im Nirgendwo zu sein. Aus meinem Urinstinkt als Fotograf heraus beschloss ich, die ähnliche Lage junger Leute, die in verschiedenen Städten verstreut leben, zu erforschen, um in ihren Gesichtern auch meine tiefen Selbstzweifel zu überprüfen.“

Ziyi Le ist 1993 in Fujian geboren und lebt derzeit als freier Fotograf in Yunnan. Sein LOBA-Projekt begann er im März 2020, als er aus beruflichen Gründen nach Hangzhou gezogen war, sich aber in der Routine des Berufs zu langweilen begann. So entwickelte er eine Porträtserie seiner eigenen Generation.

LOBA-Schulaktion: 3,- Euro für Schüler*innen

Die Ausstellung des Leica Oskar Barnack Awards (LOBA) bietet jungen Menschen die einzigartige Gelegenheit, die Welt durch die Linse taltentierter Fotografen zu betrachten, neue Perspektiven zu gewinnen und sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Wir möchten Schülerinnen und Schüler einladen, politische Themen auf besonders Weise zu erfassen und in aktuelle Themen einzutauchen. Bis zum Ende der LOBA-Ausstellung erhalten alle Schüller*innen darum zum Preis von 3,- Euro Eintritt in das Ernst Leitz Museum. Besonders Willkommen sind Schulklassen. Pro Klasse haben zwei Lehrkräfte freien Eintritt.

Shortlist Überblick 2023

Brennendes Wohnhaus, Bachmut, 31. Januar 2023, Donbas, Ukraine aus der Serie „A Grave in the Garden“

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 reist die deutsche Fotojournalistin in die gefährlichen Gebiete des Landes und hält dort die Ereignisse und Auswirkungen eines Konflikts fest, der ebenso sinnlos ist wie traurig macht. Ihre bedrückende Reportage gibt direkte Einblicke in den Alltag der Menschen, die jeden Tag um ihr Überleben kämpfen.

Horse Guards Parade, London, England, 21. Januar 2019 aus der Serie „Kingdom“

Seit mehr als 35 Jahren lebt der irische Fotograf in England. Wie viele ist er irritiert und fasziniert von den Eigenheiten, die man den Briten nachsagt. Seit diese 2016 durch ein Referendum entschieden haben, aus der Europäischen Union auszutreten, nahm er seine Kamera in die Hand und dokumentiert, welche Veränderungen er im Land wahrnimmt.

Junger Kuhhirte auf der Sommerweide, Adscharien, Georgien, 24. Juni 2018 aus der Serie „The Final Days of Georgian Nomads“

Seit 2013 reist die georgische Fotografin regelmäßig in die Region Adscharien, um dort das Leben der Nomaden auf Bildern festzuhalten und zu bewahren. Ihr intensives Langzeitprojekt erzählt eine Geschichte über alte Werte, Traditionen und Gemeinschaften, die im Zuge der Globalisierung immer mehr vom Verschwinden bedroht sind.

São Paulo, Brasilien, 23. September 2022 aus der Serie „Liquid Cities“

Eindrucksvoll erzählen die Aufnahmen des brasilianischen Street-Fotografen von Isolation, Entfremdung und Haltlosigkeit. Integrierte Spiegelungen, kaum verortbare Lichtquellen und irritierende Blickwinkel machen seine Fotografien zu faszinierenden Bildmetaphern für das Leben in „Liquid Cities“.

Junge Abiturienten tanzen vor Sandsäcken, Odesa, Ukraine, 15. Juni 2022 aus der Serie „Tributes to Odesa“

Wie sieht das Dasein im Zustand eines Krieges aus? Die französische Fotografin reiste im Juni 2022 nach Odesa und hielt dort den Alltag der ukrainischen Bevölkerung fest. Ihre Serie ist ein Zeugnis von Menschlichkeit, Hoffnung und Mut inmitten verheerender Zeiten – und erzählt davon, wie das Leben trotz widriger Umstände immer weitergeht.

Ein Paar am Strand von Cox’s Bazar, Bangladesch, 2. Februar 2022 aus der Serie „Sea Beach“

Menschen am Strand: Paare, Kinder und Großfamilien, Muschelsuchende, aber genauso auch Verkäufer, Fischer und Rettungsschwimmer – sie alle hat der Fotograf in seiner Serie porträtiert. Und für alle ist der Strand von Cox’s Bazar ein einzigartiger Ort, egal ob dort Erholung und Ablenkung gesucht wird oder die Menschen ihrer Arbeit nachgehen. So präsentiert sich die kulturelle Vielfalt von Bangladesch in leuchtenden Farben auf prächtigste Weise.

Der Glacier du Tour, Frankreich, 16. September 2022 aus der Serie „Elevations“

Berge, Gletscher und ein unerklärlicher Nagel: Die mit einer Großformatkamera und einem an die historische Technik des 19. Jahrhunderts angelehnten Verfahren erarbeitete Serie versteht der Fotograf auch als Hommage an die Frühzeit der Fotografie. Doch im Vergleich zu historischen Aufnahmen der französischen Alpenlandschaften geht es nicht nur um die Erhabenheit der Berge, sondern auch um die gegenwärtigen fortschreitenden Veränderungen.

Alfredo Fierro und seine Mitarbeiter Ubaldo und José tragen Schutzanzüge bei der Bienenpflege in der Wüste, Wenden, Arizona, USA, 11. März 2022 aus der Serie „The Dying River“

Der Colorado River trocknet aufgrund menschlicher Eingriffe und des Klimawandels immer weiter aus. Nachdem er noch Anfang des 20. Jahrhunderts ungezügelt durch den Südwesten der USA rauschte, führten Bewässerungsprojekte, Landwirtschaft, Umleitungen sowie der Bau von Dämmen und Stauseen dazu, dass sein Wasserstand mittlerweile auf einen bedrohlichen Tiefstand abgesunken ist. Der deutsche Fotograf Jonas Kakó hat sich zum Ziel gesetzt, den gezähmten Fluss fotografisch zu erkunden.

Hangzhou, China, 17. April 2021 aus der Serie „New Comer“

Der chinesische Fotograf (*1993) startete sein Projekt über Weibo, ein Twitter-ähnliches Portal für Kurznachrichten in China, über das er Interessierte für die sensible Porträtserie fand. Für ihn sind die inszenierten Fotoshootings auch eine Reflexion über seine eigenen Selbstzweifel und das Gefühl von Entfremdung und geistiger Leere. Entstanden ist ein berührendes Porträt der „New Comer“, einer Generation auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft, nach persönlicher Weiterentwicklung.

La Ciénaga, Kolumbien, 14. Juli 2022 aus der Serie „Unearth the Memory“

Der spanische Fotograf (*1977) lebt seit über zehn Jahren in Lateinamerika. Er fotografierte die für den LOBA eingereichte Serie in den von bewaffneten Konflikten in Kolumbien am stärksten betroffenen Gebieten Buenaventura, Cacarica, La Ciénaga und El Salado. Mit seinen Protagonistinnen entwickelte er Motive als eine Art Erinnerungsarbeit, um den Frauen und ihren Erfahrungen Sichtbarkeit zu geben. Es sind Bilder des Schmerzes, aber auch der Hoffnung für eine friedlichere Zukunft in dem von Gewalt durchzogenen Land.

Mariam, mit den Nägeln, Kfarkila, Libanon, 3. Januar 2022 aus der Serie „Fifty Years Later“

Noch immer leidet der Libanon unter den Folgen des Bürgerkriegs, der vor 50 Jahren begann. Nach brutalen Auseinandersetzungen, korrupten Regierungen und monatelanger Abriegelung während der Covid-Pandemie stürzten 2020 die Explosionen im Hafen von Beirut das Land noch tiefer in den Abgrund. In ihrer Serie widmet sich die im Libanon geborene amerikanische Fotografin (*1964) den Frauen: Aufnahmen ihrer Präsenz, Kreativität, Stärke, Würde und Widerstandsfähigkeit stehen stellvertretend für die Hoffnungen, Träume und Ängste einer ganzen Generation.

Andrea bei einem Fotoshooting anlässlich ihres 15. Geburtstages in Playas de Tijuana, Mexiko, 19. Juni 2017 aus der Serie „On This Side There Are Dreams, Too“

Ausgangspunkt für die Serie war das Alltagsleben der Menschen an der nördlichen Grenze Mexikos, einer Region, die sich über 3000 Kilometer von Tijuana am Pazifik bis zum Golf von Mexiko erstreckt. Zumeist taucht die Grenzregion in den Schlagzeilen der Medien auf, wenn über Gewalt und Migrationskonflikte berichtet wird. Der spanische Fotograf (*1984) richtete in seiner stillen Serie den Fokus hingegen auf die Hoffnungen und Träume, die Alltagsgeschichten und die besondere Landschaft.

Aktuelle Ausstellungen

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Werner Bischof: Fotograf, Künstler, Zeitzeuge

Das Ernst Leitz Museum Wetzlar präsentiert vom 8. März bis 9. Juni 2024 das Lebenswerk des großen Schweizer Fotografen

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